Andreas Eisele – Motion Design, Film & mehr Andreas Eisele – Motion Design, Film & mehr

Die „Bis(s)“-Bücher – Eine Analyse (3)

Herzlich Willkommen zum dritten und letzten Teil meiner großangelegten „Twilight“-Romananalyse (es bietet sich an vorher auch bereits Teil 1 und Teil 2 gelesen zu haben). Und wie es sich für ein großes Finale gehört, geht es dieses Mal um die wirklich wichtigen Dinge: die Figuren, die Liebesgeschichte und die Moral. Ich bin guter Hoffnung, dass es dieses Mal nicht ganz so umfangreich wird. Ob sich das bewahrheitet … das wird man noch sehen. Was ich aber auf jeden Fall versprechen kann, ist, dass es in diesem Teil etwas emotionaler werden könnte (geht ja schließlich um Liebe, ne?). Doch genug der schnöden Vorworte … let’s roll:

III. DIE FIGUREN

Damit es nicht übertrieben ausufernd wird, werde ich mich hier auf das Trio Infernal beschränken: Bella, Edward und Jacob. Es gäbe mit Sicherheit auch über die eine oder andere Nebenfigur etwas zu sagen, aber ein Buch steht und fällt mir seinen Hauptfiguren und … oh mein Gott … die Twilight-Bücher fallen in dieser Disziplin so richtig auf die Schnauze.

III.1 JACOB BLACK

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Ich habe es bereits im letzten Teil meiner Analyse geschrieben: bis zu einem gewissen Punkt ist Jacob die einzige halbwegs sympathische Hauptfigur der Twilight-Saga. Er ist ein guter Freund von Bella, erträgt höflich ihr Gejammer, hört ihr wirklich zu, interessiert sich für sie und ihre Gefühle.

Dies ändert sich dann aber mit seiner Aufnahme ins Rudel. Ab diesem Zeitpunkt ist er ein hitzköpfiges Arschloch mit Tendenzen zum Frauenschläger. Dies ändert jedoch nichts daran, dass Bella ihn weiterhin mag. Sie findet ihn nun allerhöchstens eventuell auch sexuell etwas anziehender (siehe Punkt VI.2: Frauen wollen Arschlöcher).

Erschreckenderweise lässt sich viel mehr gar nicht über Jacob sagen. Er war einmal ein netter Kerl, er wurde zum Arschloch, das leicht aus der Haut fährt, gelegentlich überemotional ist, auch gegenüber Bella mehrfach beinahe gewalttätig wird und auch schonmal einen Kuss aus Bella herauspresst. Denn ein Kuss unter emotionalem Zwang ist besser wie gar kein Kuss.

Vermute ich mal … naja.

III.2 EDWARD CULLEN

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Wenn man Twilight-Fans fragt, was denn an Edward so toll sei, bekommt man normalerweise die Antwort: „Ach … Frauen wollen einfach einen Mann, der sie so toll beschützt.“ Die Tatsache, dass Edward Bella auch vor Gefahren beschützt, die gar nicht vorhanden sind und diesen „Schutz“ soweit treibt, dass er sie ihrer persönlichen Freiheit beraubt, scheint hierbei vollkommen irrelevant zu sein. Man kann es nicht gutreden: jemanden den Kontakt mit dem besten Freund zu verbieten, Zündkerzen aus dem Auto entfernen, die eigene Schwester als Wache abstellen, um ein Auge auf die Freundin zu haben während man ein Wochenende lang weg ist … das ist nicht die feine englische Art. Ich habe Jacob schon mehrfach als Arschloch tituliert und da Edward trotz allem deutlich schlimmer ist wie Jacob, braucht es hier ein stärkeres Wort: Edward ist eine … eine .. blöde Arschkanone. So!

Aber da ich mich gleich noch bei Bella ausführlich über Edwards Gefängniswärterattitüden auslasse, belasse ich es für’s Erste damit und wende mich anderen Charakterschwächen zu. Ich will gar nicht zu lange auf seinem „Kein Sex vor der Ehe“-Dogma herumreiten. Edward stammt aus einer anderen Zeit, damals gab es andere Werte … meinetwegen. Die Tatsache, dass er nicht mit der Zeit geht, ist möglicherweise ein Zeichen von Kleingeistigkeit, aber was will man von jemanden erwarten, der seine Freundin einsperrt?

Edward ist allerdings auch schlicht und ergreifend dumm. Also zumindest muss ich davon ausgehen, dass er dumm ist. Oder zumindest sehr, sehr engstirning.

Prinzipiell ist der Vampir wahrscheinlich das Horrormonster, von dem man sich am ehesten noch vorstellen könnte, dass es doch an sich gar nicht so schlecht wäre ein solcher zu sein. Unsterblichkeit, die sexuellen Untertöne, Schönheit … es gibt schlimmeres. Was spricht schon dagegen sich beissen zu lassen? Gut … man sieht die Sonne niemals wieder. Man ist gezwungen Menschen zu töten, um zu leben. Gott sei Dank ist das allerdings egal, da man eh ein seelenloses, triebgesteuertes Monster ist. Und die Unsterblichkeit kann auf Dauer sicher auch ein wenig langweilen. Aaaah … vielleicht überleg ich mir das doch noch einmal mit dem Vampirdasein.

Der Twilight-Vampir wiederum …

Sonnenlicht ist ihm egal (wobei man natürlich damit leben muss, dass die Leute einen bei Sonneneinwirkung für den Tänzer einer Las Vegas – Show verwechseln könnten), auf Menschenblut ist er nicht zwingend angewiesen, die Unsterblichkeit scheint ihn nicht wirklich zu langweilen … die Leute sollten Schlange stehen, um gebissen zu werden. Und trotzdem weigert sich Edward lange Bella zu beissen. Warum denn das?

Ganz offensichtlich verwechselt er sich mit einem klassischen Vampir, denn er geht davon aus, dass er seit seiner Wandlung keine Seele mehr hat und das will er Bella nicht auch antun. Welche Hinweise gibt es dafür? Nun … ähm …

Zugegebenermaßen … ein kritisches Thema. Wie sieht es denn aus, wenn jemand keine Seele hat? Gibt es überhaupt so etwas wie eine Seele? Wie definiere ich diese? Das lässt sich alles nicht wirklich beantworten. Aber prinzipiell sollte man wohl davon ausgehen, dass jemand ohne Seele nicht zur Liebe befähigt. Und auch wenn ich später in diesem Text noch schwer anzweifeln werde, dass Bella und Edward sich tatsächlich lieben … zumindest er geht davon aus, dass er sie liebt. Beziehungsweise: er behauptet es zumindest. Vielleicht ist er aber auch nur einfach ein Lügner.

Im Zweifel für den Angeklagten: ich will ihm nicht unterstellen, dass er ein Lügner ist, ich denke, dass er tatsächlich glaubt sie zu lieben. Ohne Seele. Also bitte Edward … entweder oder. Entscheide dich … jetzt!

Edward ist also kleinkariert, engstirnig bishin zur Dummheit, gegen Sex vor der Ehe und will Bella nicht beißen, damit sie nicht ihre Seele verliert (vermutlich, damit sie nicht den Zugang zum Paradies verliert) … mit anderen Worten: Edward ist ein verflucht gläubiger Vampir. Jetzt möchte ich natürlich nicht behaupten, dass jeder, der glaubt, auch gleichzeitig dumm ist, doch ab einem gewissen Grad der Gläubigkeit neigen Menschen dazu nicht mehr selbst nachzudenken. Soviel konservativ-christliches Gedankengut in einem Jugendbuch über Vampire … na wie kann das denn sein? Ich komme noch darauf zu sprechen …

Ach … ein gläubiger, vegetarischer, glitzender, prüder Vampir … das hat der gute alte Dracula wirklich nicht verdient.

Oberflächlich ist er übrigens auch … aber auch dazu später mehr.

III.3 BELLA SWAN

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Wie sagt man so schön: das Beste kommt zum Schluss. Und mit „Beste“ meine ich hier „Schrecklichste“. Nur um das klar zu stellen!

Das soll jetzt kein reines Bella-Bashing werden, aber wäre Bella real, wäre sie eine ganz furchtbare Person … eine Mischung aus naiv-blöd, unfassbar egozentrisch (aber das hat sie immerhin mit ihrem Spatzerl Edward gemein), oberflächlich (das hat sie ebenfalls mit Eddi gemein), gleichzeitig aber geradezu schmerzhaft unsicher und letzten Endes unterwürfig. Das schlimmste daran: sie ist unsere Identifikationsfigur.

Ich habe es bereits mehrfach gesagt und es trifft natürlich auch hier wieder zu: ich gehöre nicht unbedingt zu angepeilten Zielgruppe. Ich weiß nicht wie sich ein 17jähriges Mädchen fühlt, dass gerade in eine neue Stadt gezogen ist … ich kann es nicht wissen. Ich hoffe allerdings, dass sich die angepeilte Zielgruppe Bella nicht zum Vorbild nimmt. Denn das wäre schrecklich. Wirklich schrecklich.

Von Twilight-Fans wird Bella gerne als mitfühlend beschrieben. Erkennen soll man das wahrscheinlich daran, dass sie sich unfassbare Vorwürfe deswegen macht, dass alle um sie herum so furchtbar leiden müssen. Dabei ist es allerdings egal, dass ihr die betroffenen Anderen immer wieder versichern, dass sie gar nicht wirklich leiden. Denn: die wissen offensichtlich gar nicht Bescheid. SIE allerdings weiß genau: wegen IHR müssen alle leiden, denn SIE ist das Zentrum, um dass sich das Leben der Anderen dreht.

Gut …soweit es Jacob betrifft, stimmt das sogar teilweise. Denn eine Sache kann man nicht abstreiten: es wäre vielleicht geschickter, Jacob ein und für alle Mal klar zu machen, dass er bei ihr nie zum Stich kommen wird. Etwas ungeschickter wiederum ist es, ihm stattdessen immer wieder kleine Hoffnungshäppchen hinzuwerfen (wie beispielsweise ein gottverdammter Kuss), die ihn bei der Stange halten. Aber – erstaunlicherweise – ist das so ziemlich das Einzige, was man ihr in der Hinsicht vorwerfen kann: sie will ihren besten Freund nicht verlieren, weil SIE sonst unglücklich wäre (es schadet natürlich auch nicht, sich noch einen Ersatz warm zu halten, falls der eigentlich gewünschte Loverboy doch noch abspringen sollte). Nicht, dass das lobenswert wäre … im Gegenteil … aber es ist immerhin bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.

Bescheuert wird Bellas angebliches Mitgefühl dann allerdings in Situationen wie folgender:

Wir erinnern uns: in Band 3 verstecken sich Bella, Edward und Jacob in den Bergen, um vor Victorias Vampirarmee sicher zu sein. Raffinierterweise hat niemand daran gedacht (und ich möchte betonen: wir reden hier über die beiden Männer, deren gesamter Lebensinhalt angeblich Bellas Wohl ist), dass es hoch oben in den Bergen eventuell kalt sein könnte und Bella selbst ist eh zu blöd, um daran zu denken. Also hat man zwar ein Zelt, aber keinerlei Jacken, Decken oder ähnliches dabei. Oder um es kurz zu machen: Bella friert.

Edwards Körperwärme liegt dummerweise unter dem Gefrierpunkt und ist somit keine große Hilfe. Doch Jacob wiederum … dank Bella wissen wir, dass dessen Temperatur seit seiner Verwandlung enorm hoch ist. Die perfekte Wärmflasche!

Hier zu sehen: ein Werwolf.
Amazon

Alles schön und gut: Jacob kann sich halbnackt an Bella kuscheln (den seine Kleidung hat er ihr schon gegeben) und wird mal wieder daran erinnert, was er nie haben kann, Edward kann ein wenig eifersüchtig werden und Bella … ja … Bella kann sich Sorgen darum machen, dass der arme Jacob jetzt wegen IHR so furchtbar frieren muss. Denn wie wir bereits wissen: SIE ist das verfluchte Epizentrum allen Elends auf der Welt.

Verdammt noch mal! Du blöde Schnepfe … entschuldigung … ich sollte nicht unsachlich werden …

… nein …

… du blöde Schnepfe (!) hast bereits mehrfach erwähnt, dass seine Körpertemperatur geradezu abhartig hoch ist. Er selbst betont mehrfach (!!), dass er nicht friert … seit seiner Verwandlung eigentlich nie friert. Meine Güte … der Junge rennt den Großteil des Tages quasi nackt durch die Gegend. UND DU DENKST IMMER NOCH, DASS DER ARME JUNGE WEGEN DIR FRIEREN KÖNNTE??? Jacob ist ein gottverdammter Werwo … ach verdammt … ich meine Gestaltwandler. Ganz offensichtlich frieren die nicht! Oder hattest du nur Angst, dass sich das Gespräch der beiden Jungs eventuell ein paar Sekunden nicht um dich drehen könnte?

Das war jetzt etwas gemein gegenüber der Schnepfe (Limosa lapponica).
Foto: Björn Lilie

Aaaargh … ich habe ja vorgewarnt … es könnte emotional werden. Zurück zum Text. Ähem …

Diese Stelle ist nur beispielhaft, belegt aber ganz schön, was ich damit meine, wenn ich sage, dass Bella naiv-blöd und egozentrisch ist. Denn eines von beiden (oder beides) MUSS einfach zutreffen, um diese bekloppte Stelle zu erklären. Und nein … das lässt sich nicht mit Mitgefühl erklären … sorry.

Desweiteren habe ich noch behauptet, dass sie oberflächlich sei, aber darauf komme ich dann gleich beim nächsten Punkt zu sprechen. Ihre Unsicherheit akzeptiere ich sogar bis zu einem gewissen Grad, spätestens in der Hochzeitsnacht nimmt diese dann jedoch etwas schräge Züge an. Hier haben wir Bella, die schon seit geraumer Zeit darauf aus ist mit ihrem Spatzi in die Kiste zu steigen. Als sie in der Hochzeitsnacht, auf der Privat-Flitterwocheninsel ihren Koffer auspackt, um sich für die Hochzeitsnacht frisch zu machen, muss sie entdecken, dass ihre Schwägerin Alice so zuvorkommend war schicke Dessous einzupacken. Doch statt zu denken: „Puh … Gott sei Dank … der olle Sport-BH und der Omaschlüpfer wäre vielleicht etwas abturnend gewesen“ ist Bella schockiert und kann sich nicht im geringsten vorstellen diese anzuziehen. Aber die Alternative wäre nackt und oweih … das geht ja erst recht nicht (ähem … ein kleiner Einwurf von mir als Mann: wir schauen uns schon gerne schicke Dessous an unseren Frauen an, aber im Nooootfall ist nackt eigentlich vollkommen okay … also echt jetzt). Ich mag mich jetzt täuschen, aber ich würde behaupten, dass Frauen im Allgemeinen durchaus den Wunsch haben, in ihrer Hochzeitsnacht sexy auszusehen.

Bleibt noch ihre Unterwürfigkeit … auch hierfür liefert uns Band 3 das beste Beispiel. Wir erinnern uns … Edward sperrt Bella ein, entfernt die Zündkerzen aus ihrem Auto, stellt seine Schwester als Wache ab … alles nur, um zu verhindern, dass sie ihren besten Freund Jacob sehen kann. Und als emanzipierte Frau ist Bella deswegen natürlich sauer! Aber so richtig sauer!!! So sauer, dass sie ihr Zimmerfenster schließt, damit er sie nachts nicht besuchen kann!!! Ha! Dem hat sie es aber gezeigt! Aber … hm … am Ende ist er deswegen noch stinkig. Vielleicht doch besser wieder das Fenster öffnen … man will ja nachts auch nicht gerne allein sein …

Also ernsthaft … ihre ganze Wut entlädt sich darin, dass sie kurz das Fenster schließt. Das bekommt er nicht einmal mit! Sie diskutiert natürlich auch noch mit ihm darüber und am Ende lenkt er auch ein und entschuldigt sich für sein Verhalten (womit die Bevormundung dann endgültig verziehen ist), aber damit hat es sich auch.

Ich fand die Stelle ja schon unfassbar, aber meine Freundin stand in dem Moment kurz davor das Buch an die Wand zu klatschen, zu zerschreddern und mit kleinen spitzen Nadeln zu piesacken (etwas überdramatisiert ausgedrückt). Und dafür liebe ich sie. Unter anderem.

IV. DIE LIEBESGESCHICHTE

Apropos Liebe … die Twilight-Saga ist bekanntermaßen in erster Linie eine Liebesgeschichte. Und wenn man den Erfolg als Masstab heranzieht, muss man davon ausgehen, dass es sogar eine verdammt gut und überzeugend erzählte Liebesgeschichte sein muss … so richtig schön zum Dahinschmelzen, Herzerwämen und Mitleiden. So wie „Romeo & Julia“ (abzüglich der verschwurbelten Sprache).

IV.1 LIEBE IST: ICH SAGE DIR, DASS ICH DICH LIEBE

Um es kurz zu machen: NEIN. Die Liebesgeschichte unglaublich kalt und bar jeglicher echter Emotion. Wenn man davon ausgeht, dass sich Liebe in erster Linie durch schmachtende Blicke und Worte (viele, viele Worte) ausdrückt, dann hat man mit Twilight mit Sicherheit sein Mekka gefunden. Eine wirklich gute Liebesgeschichte, die auch wirklich emotional berührt, hat aber noch ganz andere Qualitäten. Eine gute Liebesgeschichte kann erzählt werden, ohne dass sich die beiden Hauptfiguren auch nur einmal anschmachten, ihre Liebe gestehen oder gar küssen.

IV.1.i ES GEHT AUCH ANDERS: TERRY PRATCHETTS „NATION“

In „Nation“ von Terry Pratchett wird beispielsweise eine solche Liebesgeschichte erzählt. Und Pratchett ist wahrlich kein Autor, der für seine fantastischen Lovestories bekannt ist.

Es folgen SPOILER:

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„Nation“ spielt in einer alternativen Version unseres 19. Jahrhunderts und beginnt tragisch mit einem Tsunami, der durch die Südsee jagt. Dieser löscht das gesamte Dorf (mitsamt der Bewohner) des Inseljungen Mau aus, der als einziger überlebt. Er kann nur noch die Leichen seiner Familien und aller Menschen, die ihr kannte, dem Meer übergeben … ein Begräbnisbrauch seines Volkes.

Doch der Tsunami bringt nicht nur den Tod. Das adlige englische Mädchen Ermintrunde (sie stellt sich Mau allerdings als Daphne vor, weil sie schon immer so heißen wollte) strandet auf der Insel und schon bald begegnen sie sich. Da sie nicht die gleiche Sprache sprechen, verständigen sie sich zunächst mit Händen und Füßen.

Nach und nach treffen mehr Überlebende von anderen Inseln ein, Mau und Daphne werden zu den neuen Anführern eines neuen Dorfes. Im Laufe der Zeit erleben sie so manch Abenteuer, retten sich beide gegenseitig das Leben und man kommt sich näher. Aber: bevor man sich richtig nahe kommen kann, erreicht auch Daphne-Ermitrundes Vater die Insel, um sie zurück nach England zu bringen. Ihr Vater, dank einer Krankheitsepidemie in England mittlerweile König, erklärt ihr, dass sie als Thronerbin nicht auf einer Insel leben kann. Und … sie stimmt ihm zu. Die Wege von Mau und Daphne trennen sich … ohne dass sie sich einmal ihre Gefühle gestanden haben.

Im letzten Kapitel erfahren wir dann, dass die Geschichte von Mau und Daphne mittlerweile eine Legende ist, die ein alter Mann zwei Kindern, einem Mädchen und einem Jungen, erzählt hat. Da die Kinder wissen, dass jede gute Liebesgeschichte ein Happy End braucht, fragen sie, ob Daphne denn in späteren Jahren noch einmal auf die Insel zurück gekommen sei. Doch der alte Mann verneint … Daphne habe nie wieder lebend einen Fuss auf die Insel gesetzt, den König von Holland geheiratet und ein Leben als gute Königin in England geführt. Sie hat allerdings veranlasst, dass sie nach ihrem Tod nach Nation (so der Name der Insel) zurückgebracht und dort im Meer bestattet wird. Und so geschah es auch.

Doch das ist immer noch kein zufriedenstellendes Ende und deswegen fragt das Mädchen, ob man denn – nachdem Daphne und Mau im Tod wieder vereint waren – wenigstens zwei Delphine gemeinsam in den Sonnenuntergang hat schwimmen sehen. Der alte Mann sagt daraufhin (sinngemäß): „Nicht das ich wüßte. Doch wenn es dich glücklich macht … dann war das so.“

SPOILERENDE.

Das ist keine wirklich glückliche Liebesgeschichte. Streng genommen ist es sogar eher nur eine potentielle Liebesgeschichte, die dann gar nicht wirklich stattgefunden hat. Die besten Liebesgeschichte haben nicht zwingend ein Happy End. Und doch ist sie in meinen Augen bei weiten emotional berührender wie die seitenlangen schwülstigen Liebesschwüre von Edward und Bella. Das hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass Edward und Bella sich gar nicht wirklich lieben.

IV.2 KENNEN WIR UNS?

An sich sollte wirklich jedem Leser auffallen, dass die Beiden rein gar nichts verbindet. Die kennen sich nicht einmal wirklich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden tatsächlich mal miteinander reden (natürlich abgesehen von endlosen Liebesschwüren). Und dieser Eindruck ändert sich bis zu Band 4 nicht im Geringsten.

Ich sauge mir das nicht aus den Fingern. In den Büchern finden sich durchgehend Zeichen dafür. Wie wenig die Beiden sich tatsächlich verstehen, wird spätestens nach der Hochzeitsnacht in einer beinahe schon absurd anmutenden Szene deutlich:

Die Liebesnacht war ein wenig rauer, Bella ist dementsprechend etwas ramponiert und mit blauen Flecken überzogen. Nichtsdestotrotz … sie ist glücklich. Edward wiederum ist am nächsten Morgen eher schlechter Laune, denn … oweih … er hat seine geliebte Bella im Rausche seiner zügellosen Leidenschaft ja gar so schlimm verletzt. Es folgt (in etwa) dieser Dialog:

– EDWARD: „Ich bin ein ganz schreckliches Wesen … ich habe dich verletzt. Das kann ich mir niemals verzeihen.“

– BELLA: „Nein … mir geht es gut. Ich fand es schön.“

– EDWARD: „Da irrst du dich. Ich bin ganz schrecklich. Bis du ein Vampir bist, fass ich dich nicht mehr an.“

– BELLA: „Quatsch … das war super. Lass uns gleich nochmal loslegen“

– EDWARD: „Oh … ich bin so schrecklich … ich furchtbarer Tropf. Ich Monster.“

– BELLA: „Du bist kein Monster. Du bist super. Und mir geht’s gut.“

– EDWARD: „Nein“

– BELLA: „Doch“

– EDWARD: „Nein“

– BELLA „Doch“

– EDWARD: „Nein“

– BELLA: „Doch. Und jetzt nimm mich nochmal ran. Ich fand’s geil.“

– EDWARD: „Bella … da irrst du dich. Es war schrecklich, denn ich BIN ein Monster und habe dich ganz furchtbar verletzt. Lass mich in Ruhe.“

Aaaaargh … es ist ein grundlegendes Problem in dieser Beziehung, dass beide IMMER denken, dass der andere sie anlügt, damit dieser sich nicht schlecht fühlen muss. Bella und Edward haben ein ernstzunehmendes Vertrauensproblem.

Visualisiert: meine Gedanken beim Lesen der Szene.

Selbvstverständlich ist das keine wortwörtliche Abschrift der Szene, aber sinngemäß findet diese genau so statt. Nur noch etwas mehr in die Länge gezogen mit der Folge, dass Bella tagelang ihre ganze weibliche Verführungskraft nutzen muss, um ihn nochmal ins Bett zu bekommen.

Die Bücher zeigen auch ganz klar auf, dass Bella und Jacob bei weitem besser zusammen passen würden … also zumindest vor seiner Verwandlung. Einige Beispiele dafür: Edward macht Bella durchgehend teure Geschenke, obwohl diese durchgehend darauf hinweist, dass sie diese nicht haben möchte. Als Jacob ihr einen kleinen selbstgeschnitzten Wolf schenkt, freut sie sich sehr darüber so etwas persönliches zu bekommen. Das ist auch nachvollziehbar … das ist ein süßes kleines Geschenk. Edwards Reaktion als er das mitbekommt: er schenkt Bella wertvollen Schmuck, der seiner Mutter gehört hat. Über diesen freut sie sich nicht ganz so sehr. Er möchte ihr auch von Band 1 an ein neues Auto schenken, obwohl sie ihr altes liebt (in Band 4 hat er dann auch „endlich“ damit Erfolg). Und so weiter …

Zusätzlich besteht er mehrfach darauf sie in den Mittelpunkt zu zerren, sei es indem er sie auf den Schulball zwängt (sie möchte dort nicht hin) oder indem er eine große prunkvolle Hochzeit feiert (sie hätte es lieber klein und bescheiden). Und Bella – man erahnt es vielleicht bereits – steht eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt. Prinzipiell scheinen Bellas Wünsche für Edward nicht ausschlaggebend zu sein. Jacob wiederum weiß, dass Bella solche Aktionen überhaupt nicht leiden kann. Und warum? Genau … weil er sich gelegentlich mit ihr unterhält.

IV.3 DIE WIRKLICH WICHTIGEN EMOTIONEN

Und warum denken Edward und Bella nun, dass sie dafür gemacht sind, die Ewigkeit miteinander zu verbringen? Ganz einfach:

Bella: „Boah … der sieht aber geil aus.“

Edward: „Boah … die riecht aber gut.“

Pure animalische Anziehung. Sie sind schlicht und ergreifend geil aufeinander. Man kann nur hoffen, dass das nach dem ersten Jahrhundert nicht nachlässt (ich hätte es übrigens ziemlich amüsant gefunden, wenn Edward nach Bellas Vampirisierung gedacht hätte: „Hm … neee … jetzt riecht sie nicht mehr so dufte“ … und sie fallen gelassen hätte wie eine heiße Kartoffel). Und spätestens hier sollte auch deutlich werden, dass sowohl sie als auch er ganz allein auf Oberflächlichkeiten wert legen.

Nicht dass ich damit ein Problem hätte. Geilheit ist mit Sicherheit eines der größten … ähm … Gefühle der Menschheit und für One-Night-Stands und wilde kurze Affären auch vollkommen in Ordnung … aber dann tut doch bitte nicht so als wäre das Liebe. Und damit meine ich nicht Bella und Edward (die wissen es in ihrem Hormonrausch meinetwegen einfach nicht besser), sondern die Fans.

So ziemlich jeder sehnt sich wahrscheinlich manchmal nach reiner, unverfälschter Leidenschaft. Das ist vollkommen okay. Aber wenn es einer Geschichte nicht glaubhaft gelingt mir zu vermitteln, dass sich die Liebenden abseits der reinen Geilheit auch ein wenig leiden können, dann versagt diese als Liebesgeschichte. Eine Story, die sich rein auf die Wuschigkeit seiner beiden Hauptfiguren beschränkt, müsste man vielleicht etwas expliziter (und ja … ich meine damit pornografischer) anlegen, um … äh … befriedigend zu sein.

Aaah … Moment … „Twilight Explizit“ gibt es ja mittlerweile.

Aber das sind nur meine 2 Eurocent als Mann. Ich verstehe natürlich auch, dass man das der angestrebten weiblichen Teenager-Zielgruppe nicht zumuten möchte. Warum man dieser allerdings vermitteln möchte, dass das wichtigste an einer Beziehung rein oberflächliche Werte sind, entzieht sich dann wiederum meiner Auffassung. Apropos Lehren … das führt mich dann auch zum nächsten und letzten Punkt meiner Analyse:

V. DIE MORAL DER TWILIGHT-SAGA

In einer Amazon-Kritik von „Breaking Dawn“ ereifert sich eine Leserin darüber, dass sie es unmöglich fände, dass Jacob in der Mitte des Buches mehrfach furchtbar frauenfeindliche Blondinenwitze machen würden. Und wäre es nicht schön, wenn diese das Witze das schlimmste Moral-Problem der Saga wären? Es wäre ja schon traumhaft, wenn sie das einzige frauenfeindliche Element wären (die Witzchen sind ja nicht einmal wirklich ernstzunehmend frauenfeindlich … harmlos und unlustig trifft es besser).

V.1 SEX? NUR NACH DER EHE! SO WILL ES DAS BUCH MORMON

Stephenie Meyer ist Mormonin. Die Mormonen sind eine Glaubensgemeinschaft, die sich außer auf die Bibel auch auf das Buch Mormon berufen. Dies ist zunächst natürlich keine allzu erleuchtende Information, deswegen hier ein paar wenige Randfakten zu dieser religiösen Gruppierung:

– Sex vor der Ehe? Ein absolutes No-Go!
– bis Anfang des 20. Jahrhunderts war männlichen Mormonen die Mehrfachehe gestattet
– diese Tatsache allein offenbart schon einiges über die Rolle der Frau bei den Mormonen: der Mann ist Chef, Frauen ordnen sich unter
– die führende mormonische Gruppierung nennt sich Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
– Mormonen findet man in erster Linie in Utah

Wer sich nun genauer über die Mormonen informieren will, kann sich gerne den oben verlinkten Wikipedia-Artikel zu Gemüte führen.

Ich habe prinzipiell nichts gegen Mormonen. Solange sie mich in Ruhe lassen, lasse ich sie in Ruhe (dem kommt natürlich entgegen, dass man Mormomen tatsächlich selten außerhalb Utahs antrifft). Was ich allerdings gar nicht mag, ist wenn jemand Glaubensdoktrine in Massenmedien versteckt. Richtig schlimm wird das dann allerdings erst, wenn diese Massenmedien ohne die geringste Hinterfragung millionenfach konsumiert werden.

Dürfte ich mit Ihnen über Gott sprechen?

„Twilight“ als den „Wachturm“ der Mormonen zu bezeichnen, würde ein wenig über das Ziel hinausschießen, es finden sich jedoch definitiv diverse Schnittpunkte mit der mormonischen Lehre. „Kein Sex vor der Ehe“ dürfte hierbei wahrscheinlich der prominenteste Punkt sein. Selbstverständlich (oder eher: erstaunlicherweise) berücksichtigt Stephenie Meyer die Tatsache, dass die Durchschnittsheranwachsenden der Gegenwart ein voreheliches Zölibat nicht mehr unbedingt als zeitgemäß empfinden. Oder mit anderen Worten: Bella würde schon gerne mal, wie wir wissen. Aber da kommt ihr dann bekanntermaßen Edward in die Quere. Ein prüder, vegetarischer, glitzernder Vampir … meine Güte. Und da eine gute Frau sich den Wünschen ihres Mannes bekanntermaßen unterordnet, schluckt Bella die bittere Ehepille. Dass Bella eigentlich auf gar keinen Fall heiraten möchte … egal. Zu dem Zeitpunkt hat sie aber möglicherweise schon halbwegs akzeptiert, dass ihre Wünsche in dieser Beziehung nicht wirklich ausschlaggebend sind. So wie es jede anständige Frau sollte. Jawoll!

Das Perfide daran: Bella wird uns eigentlich nicht als kleines Duckmäuschen präsentiert, sie ist keine Figur, die prinzipiell zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt. Sie vertritt durchaus ihre Meinung … diese interessiert nur nie jemanden. Nie. Wirklich nie! Drei wahrhaft schockierende Beispiele:

– Ein kleiner Zwischenfall bei Bellas Geburtstagfeier. Kurz besteht die Gefahr, dass sie von Jasper gebissen werden könnte. Edward beschließt, dass es besser wäre die Beziehung zu beenden, damit Bella nicht länger in Gefahr ist. Bellas Meinung dazu? Interessiert nicht. Es ist nicht einmal notwendig ihr den wahren Grund der Trennung zu nennen.

–  Ich habe es bereits (mehrfach) angesprochen: Bella möchte gerne ihren besten Freund treffen. Edward ist damit nicht einverstanden, da dieser ein Werwolf ist und Werwölfe sind gefährlich. Also darf Bella Jacob nicht mehr sehen. Ist sie damit einverstanden? Nein … überhaupt nicht. Interessiert das Edward? Ebenfalls nein. Trennt sich Bella aufgrund dieser Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit? Wir kennen die Antwort ja bereits … nein … tut sie nicht. Ihr kommt nicht einmal der Gedanke.

– Auch dieses Beispiel habe ich schon einmal erwähnt: Bella ist schwanger. Das Kind schadet Bella ganz offensichtlich. Edwards, Carlisles und auch Jacobs Idee: Abtreibung. Sofort! Bella hegt allerdings bereits Muttergefühle für das Ungeborene und möchte das Kind auf keinen Fall abtreiben. Zählt ihre Meinung? Nein. Mittlerweile weiß das allerdings wohl auch Bella und sie ist so vorausschauend sich Edwards Schwester Rosalie als Leibwache zu besorgen, damit sie nicht überwältigt wird und man ihr das Baby zwangsweise abtreibt. Hallo? Sie braucht Schutz vor ihrem eigenen Ehemann, dessen Vater und ihrem besten Freund, weil sie sonst wohl ernsthaft befürchten müsste, dass man auf ihre Meinung pfeift? Natürlich gibt es Situationen, in denen man Menschen vor sich selbst schützen muss, aber Bellla ist doch bei klarem Verstand.

Das schlimme an dieser Szene: sie ist in doppelter Hinsicht furchtbar. Der Leser ist an dieser Stelle selbstverständlich auf Bellas Seite. Edward, Carlisle und Jakob sind hier die Bösen. Daran ist zunächst auch nichts verkehrt. Wenn man dann allerdings berücksichtigt, dass Mormonen auch radikale Abtreibungsgegner sind und hier die Botschaft mitschwingt: „eine Abtreibung ist auch dann abzulehnen, wenn es die Gesundheit der Mutter gefährdet oder es andere gute Gründe dafür gibt“, dann weiß ich endgültig nicht mehr wie ich diese Szene lesen soll, ohne Stephenie Meyer dafür wirklich schlimme Dinge an den Hals zu wünschen. Nicht nur, dass sie Figuren erschaffen hat, denen wir jederzeit zutrauen würden, dass sie eine Zwangsabtreibung durchführen … nein … man muss diese noch gleichzeitig für wirklich widerliche Anti-Abtreibungs-Propaganda nutzen. Furchtbar … ganz, ganz furchtbar.

Es ist wirklich furchtbar.

Auch die Tatsache, dass Bella schwanger geworden ist, passt hervorragend in das mormonische Weltbild. Wir wissen: Sex ist in erster Linie zur Fortpflanzung gedacht. Freude daran zu empfinden … das ist „Pfui!“. Und wenn wir es schon aus reinem Spaß an der Freud betreiben, dann sollten wir zuvor wenigstens unsere Pflicht vor Gott erledigt und ein Kind gezeugt haben. Bella und Edward sind da wirklich vorbildlich. Erst das Kind, dann der zügellose Spaß. Von da an steigen die Beiden quasi durchgehend in die Kiste. Inhaltlich wird das allerdings immer auf etwa folgende Art und Weise präsentiert: „sie hatten Sex“. Denn Gott behüte … wir wollen dann wirklich nicht zu explizit werden. Man liest in den Medien öfters den Vorwurf Twilight sei gleichzeitig übersexualisiert und unfassbar prüde. Und tja … es stimmt.

VI.2 FRAUEN WOLLEN ARSCHLÖCHER

Millionen nette Männer kennen es aus eigener Erfahrung: Frauen bevorzugen Arschlöcher. Dankenswerterweise bestätigen das die Twilight-Bücher auch. Wenn man diesen glauben darf, suchen Frauen nämlich entweder nach Kontrollfreaks, die jeden Schritt den man geht, überwachen, sie monatelang nachts heimlich stalken und bei jeder Gelegenheit bevormunden oder hitzköpfige potentielle Frauenschläger. Die netten Kerle? Pöööh … langweilig.

Es ist mir unverständlich wie sich moderne aufgeklärte Frauen tatsächlich nach Lektüre des Buches nach einem dieser beiden Männer verzehren können. Wären es nur Teenager … meinetwegen. Traurig … aber meinetwegen. Aber nein … auch erwachsene Frauen, die es an sich wirklich besser wissen sollten, schmelzen beim Gedanken an Edward oder Jacob dahin. Damit bewahrheitet sich wahrscheinlich, was wir alle schon lange geahnt haben: Frauen wollen im tiefsten Innern bevormundet und an Ketten gelegt werden. Und arme Kerle wie Baron Killer bleiben alleine …

VI.2 DER FREUND IST ABGEHAUEN? DA GIBT ES EINE EINFACHE LÖSUNG

Bei diesem letztem Punkt hoffe ich ernsthaft, dass er der schieren Dummheit der Autorin verschuldet ist und nicht tatsächlich mit voller Absicht so in den Büchern gelandet ist. Denn was junge Frauen aus Bellas Taten in Band 2 lernen … das kann nicht einmal eine Mormonin wollen.

Wir erinnern uns: Edward ist abgehauen, weil er denkt er sei eine Gefahr für Bella. Bella ist deswegen furchtbar am Boden zerstört (damit hätte ja niemand rechnen können). Sie verbringt den Sommer mit Jacob, Jacob wird ein Werwolf, die Werwölfe jagen Victoria und Bella beschließt irgendwann, dass sie sich doch von einer Klippe stürzen könnte. Diese Wahnsinnstat ist letzten Endes wiederum dafür verantwortlich, dass Edward zurückkehrt.

Ich befürchte, dass Stephenie Meyer hier eine Art „Romeo und Julia“-Situation schaffen wollte, denn als Edward denkt, dass Bella nicht mehr am Leben sei, will er sich seinerseits das Leben nehmen. Klassische Shakespeare-Tragik sozusagen. Diese scheitert jedoch eneut daran, dass Stephenie Meyer ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung von Geschichten hat.

Das Finale von „Romeo und Julia“ ist deswegen so großartig und ein literarischer Meilenstein, weil es eben tragisch ist. Hätte das Stück ein Happy End … man würde es heutzutage sicher nicht zu Shakespeares besten Werken zählen. Und es wäre erst recht nicht die wohl größte Liebesgeschichte aller Zeiten.

Es muss natürlich nicht immer gleich die größte Liebesgeschichte aller Zeiten sein. Aber in diesem Fall wird der Versuch der Shakespeare-Tragik richtig fatal. Denn was letzten Endes davon übrigbleibt ist folgende Lehre: wenn dich dein Freund verlässt, tu dir was an … dann kommt er schon zurück.

Autsch. Man mag mich jetzt für kleinkariert halten, aber das ist echt eine ganz ganz ganz schlechte Moral.

Ich will wirklich daran glauben, dass das nicht beabsichtigt war. Wenn ich allerdings berücksichtige, dass in ECLIPSE Jacob Bella quasi unter Androhung eines Selbstmordes seinerseits einen Kuss abzwingt, bin ich mir da nicht so sicher.

VII. ZUM ABSCHLUSS: EINE KURZES WORT ZU DEN FILMEN

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Ich möchte nicht enden, ohne wenigstens auch ein paar Worte über die Filme zu verlieren. Und sei es nur, um als Botschaft an die zahlreichen Männer, die die Filme dank ihrer besseren Hälften über sich ergehen lassen dürfen, folgendes zu sagen: so unvollkommen wie diese sein mögen … sie sind immer noch deutlich besser wie die Bücher. Seid also froh, dass er von euren Frauen nuuuuuur dazu gezwun… überredet werdet, die Filme zu sehen.

Die Drehbuchautoren haben zwar jedes Mal mit einer katastrophalen Vorlage zu kämpfen, wissen jedoch prinzipiell eindeutig besser wie eine Geschichte eigentlich funktioniert. In TWILIGHT wird beispielsweise die Bedrohung durch die Vampire kontinuierlich über den Film aufgebaut … sie tauchen  nicht einfach auf. Dafür ist der Film schon beinahe absurd grün und der erste Auftritt der Cullens ist bei weitem weniger cool wie er eigentlich sein sollte. So ziemlich alles Schlechte im Film stammt aus der Vorlage, die paar Sachen, die wenigstens halbwegs funktionieren, sind zu einem großen Teil hinzugefügt worden. Traurig, aber so ist es leider.

NEW MOON ist sowohl als Buch wie auch als Film schwer erträglich. Der Film hat jedoch den nicht zu überschätzenden Vorteil, dass Bellas Trauerphase wenigstens ein bißchen schneller abläuft.

Vor allem in ECLIPSE wird dann deutlich, dass es den beiden männlichen Hauptdarstellern gelingt ihre Figuren zumindest ein bißchen sympathischer wie ihre Buchvorlage darzustellen. Vor allem Robert Pattinson muss man wohl dafür loben, dass der grundsätzlich wirklich nur schwer verdauliche Edward in seiner Darstellung wenigstens ein paar nette Momente hat. Kristin Stewart wiederum gelingt es meisterhaft Bella sogar noch unsympathischer wie im Buch zu poträtieren. Respekt. Davon abgesehen: die besten Dialogzeilen aus NEW MOON stammen aus den Federn der Drehbuchautorin. Und: wenigstens sieht man den Kampf der Vampire gegen die Werwölfe.

BREAKING DAWN (zum Zeitpunkt dieser Analyse war nur Teil 1 veröffentlicht) wiederum ist der Teil, der wohl qualitativ am nähesten am Buch sein dürfte. Man merkt extrem deutlich, dass die Story eigentlich um Welten zu dünn ist, um auf zwei Filme ausgewalzt zu werden. Im Buch passiert nicht extrem viel und durch die Zweiteilung bekommen wir dieses Nichts beinahe ungekürzt vorgesetzt. Das Ergebnis: gähnende Langeweile. Es gibt zwar 1 – 2 halbherzige Versuche Spannungselemente zu integrieren, die es in der Vorlage nicht gab, aber … naja … mal schauen wie das Gedankenduell im Finale von Teil 2 aussieht. Da freu ich mich schon drauf. Yeah!

Und damit komme ich dann ans Ende. Ich verzichte auf ein Fazit, denn Stephen King hat eigentlich schon alles gesagt, was man an dieser Stelle zusammenfassend sagen könnte:

“The real difference is that Jo Rowling (Anm.: Autorin der „Harry Potter“-Romane) is a terrific writer and Stephenie Meyer can’t write worth a darn. She’s not very good.”

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